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title: "Seit wann gibt es KI?"
author: "admin"
date: 2026-10-03
lang: de
source: https://ki-kompetenz-eltern.de/so-funktioniert-ki/geschichte-der-ki-eliza-effekt/
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# Seit wann gibt es KI?

ChatGPT gibt es seit knapp vier Jahren (Stand: September 2026). Für viele fühlt es sich an, als sei künstliche Intelligenz damals plötzlich aufgetaucht. Tatsächlich ist die Idee viel älter. Neu ist vor allem, dass heute jeder mit dem Smartphone darauf zugreifen kann - bewusst oder auch unbewusst.

## Was heißt eigentlich „Künstliche Intelligenz“?

IBM beschreibt künstliche Intelligenz als *Sammelbegriff für* *jedes Programm, das ohne aktive menschliche Beteiligung Informationen nutzen kann, um Entscheidungen oder Vorhersagen zu treffen.* Davon zu unterscheiden ist die sogenannte künstliche allgemeine Intelligenz (AGI): eine hypothetische Entwicklungsstufe, in der ein System die geistigen Fähigkeiten von Menschen bei jeder Aufgabe erreicht oder übertrifft. AGI ist heute eine Hypothese, kein Produkt.

Uns gefällt die Definition der wunderbaren Katharina Zweig besonders gut: *„Tatsächlich ist es so, dass Menschen dazu neigen, immer nur das als ‚Künstliche Intelligenz‘ zu bezeichnen, von dem sie bisher dachten, es sei maschinell nicht umsetzbar.“* Das Zitat stammt aus ihrem Buch *„Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“*, übrigens ein unterhaltsamer Lesetipp :-)

Wenn in diesem Blog von "KI" die Rede ist, geht es um generative Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini, Claude oder andere Foundation Modelle.

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Ein praktischer Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Kind lieber über das konkrete Werkzeug (z.B. ChatGPT) als immer über „die KI“. "Die" KI gibt es nicht, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Algorithmen, Modelle und Anwendungen. 
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## KI: ein Feld mit vielen Namen

Rund um KI tauchen viele Fachbegriffe auf, oft auf Englisch und oft bunt durcheinander. Die Übersicht ordnet die wichtigsten: Ein Sprachmodell erzeugt Text, ein multimodales Modell versteht zusätzlich Bilder, Ton und Video, und agentische KI führt Arbeitsschritte selbst aus. Ausführlichere Erklärungen finden Sie im [Glossar](/glossar/).

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## Über 70 Jahre Geschichte

Die Idee ist deutlich älter als ChatGPT. Einige Stationen (keine Vollständigkeit):

- **1950:** Der britische Mathematiker Alan Turing veröffentlicht den Aufsatz „Computing Machinery and Intelligence“. Er beginnt mit der Frage, ob Maschinen denken können.
- **1956:** Am Dartmouth College in New Hampshire (USA) findet ein Sommerprojekt statt, das den Begriff „Artificial Intelligence“ im Titel trägt. John McCarthy hatte es 1955 zusammen mit Marvin Minsky, Nathaniel Rochester und Claude Shannon beantragt. Geplant war eine zweimonatige Studie mit zehn Teilnehmern. Die Grundannahme: Jeder Aspekt des Lernens und der Intelligenz lässt sich im Prinzip so genau beschreiben, dass eine Maschine ihn simulieren kann.
- **1966:** ELIZA, der erste Chatbot (mehr dazu unten).
- **1970er-Jahre:** Ernüchterung. 1973 erscheint in Großbritannien ein Gutachten des Mathematikers James Lighthill für den staatlichen Forschungsrat. Es hält fest, dass die Erwartungen an die KI-Forschung häufig enttäuscht wurden. Solche Phasen der Ernüchterung nennt man heute „KI-Winter“ (und man hat doch auch aktuell mal wieder das Gefühl es wird kühler ;-))
- **2017:** Ein Team von Google-Forschenden stellt im Aufsatz „Attention Is All You Need“ die Transformer-Architektur vor. Auf ihr beruhen die heutigen Sprachmodelle.
- **30. November 2022:** OpenAI veröffentlicht ChatGPT.

## 1966: ELIZA, der erste Chatbot

Zwischen 1964 und 1966 entwickelte der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein Programm namens ELIZA. Es ahmte in Textform ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten nach.

Das Prinzip ist simpel: ELIZA stellte nur Sätze um. Auf Deutsch übertragen hieße das etwa: „Ich bin BlaBla.“ Antwort: „Wie lange bist du denn schon BlaBla?“

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Trotzdem hatten viele Menschen das Gefühl, mit einem echten Gegenüber zu sprechen. Die Gesprächsprotokolle zeigten, dass sie ELIZA höchst vertrauliche Dinge erzählten. Psychotherapeuten fürchteten damals, bald überflüssig zu werden. Weizenbaum berichtete später, dass seine Sekretärin ihn bat, den Raum zu verlassen, damit sie allein mit ELIZA sprechen konnte.

Für dieses Phänomen gibt es einen Namen. Der ELIZA-Effekt bezeichnet die Neigung, einer Technik menschliche Eigenschaften zuzuschreiben und sie deshalb wie einen Menschen zu behandeln.

Der Effekt liegt also bei uns, nicht in der Maschine. Weizenbaum selbst erschrak über die Reaktionen auf sein Programm und wurde zeitlebens ein scharfer Kritiker der Technik.

## Was heißt das für Eltern?

ELIZA konnte nur Sätze umstellen und wirkte trotzdem menschlich. Heutige Sprachmodelle schreiben flüssig, beziehen den bisherigen Gesprächsverlauf ein und sind gezielt auf einen zugewandten Ton hin entwickelt.

**Der ELIZA-Effekt ist deshalb heute viel stärker als 1966.**

Für Kinder und Jugendliche hat das konkrete Auswirkungen: Ein freundlicher Ton wird leicht als Kompetenz gelesen. Vertrauen entsteht dann durch den Stil, nicht durch die Richtigkeit.

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Ein praktischer Tipp: Wenn Sie mit Ihrem Kind über KI sprechen, lohnt sich genau dieser Punkt zu besprechen: Die Antwort die man bekommt klingt wie von jemandem, der es gut mit dir meint. Der hilfreich sein will. Das sagt aber nichts darüber, ob sie wirklich stimmt. 

Bildung ÜBER Künstliche Intelligenz und wie sie arbeitet ist daher für Kinder und Jugendliche  unabdingbar.
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Wie Anbieter diesen Eindruck bewusst gestalten, beschreibt der Beitrag [Warum sich ein Chat wie ein Gegenüber anfühlt](/ki-und-psychologie/warum-sich-ein-chat-wie-ein-gegenueber-anfuehlt/). Warum Chatbots zudem gern zustimmen, steht im Beitrag [Der Ja-Sager-Effekt](/ki-und-psychologie/sycophancy-ja-sager-effekt/).

## Quellen

- IBM: [Was ist künstliche Intelligenz (KI)?](https://www.ibm.com/de-de/think/topics/artificial-intelligence) und [Was ist künstliche allgemeine Intelligenz (AGI)?](https://www.ibm.com/de-de/think/topics/artificial-general-intelligence)
- Katharina Zweig: [Weiß die KI, dass sie nichts weiß?](https://www.perlentaucher.de/buch/katharina-zweig/weiss-die-ki-dass-sie-nichts-weiss.html) Heyne, München 2025
- Alan Turing: [Computing Machinery and Intelligence](https://doi.org/10.1093/mind/LIX.236.433). Mind 59 (236), 1950, S. 433–460
- J. McCarthy, M. L. Minsky, N. Rochester, C. E. Shannon: [A Proposal for the Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence](http://jmc.stanford.edu/articles/dartmouth/dartmouth.pdf), 31. August 1955
- The Independent: [Nachruf auf John McCarthy, „Computer scientist known as the father of AI“](https://www.independent.co.uk/news/obituaries/john-mccarthy-computer-scientist-known-as-the-father-of-ai-6255307.html)
- James Lighthill: [Artificial Intelligence: A General Survey](https://www.chilton-computing.org.uk/inf/literature/reports/lighthill_report/p001.htm). Science Research Council, 1973
- Vaswani u. a.: [Attention Is All You Need](https://arxiv.org/abs/1706.03762), 2017
- OpenAI: [ChatGPT: Optimizing Language Models for Dialogue](https://web.archive.org/web/2022/https://openai.com/blog/chatgpt/), 30. November 2022 (archivierte Fassung)
- Joseph Weizenbaum: [ELIZA – A Computer Program for the Study of Natural Language Communication between Man and Machine](https://doi.org/10.1145/365153.365168). Communications of the ACM 9(1), 1966
- Joseph Weizenbaum: Computer Power and Human Reason. W. H. Freeman, San Francisco 1976 (Anekdote über die Sekretärin)
- Weizenbaum-Institut: [ELIZA zum Ausprobieren (Web-Fassung)](https://jw.weizenbaum-institut.de/wp03)
